


|
|
Kontakt Innenministerium
| ||
SiFo-Studie
2009/10 - Know-how-Schutz
in Baden-Württemberg
SiFo-Studie 2009/10 - Know-how-Schutz in Baden-Württemberg
Spionage und ungewollter Abfluss von Know-how sind für Unternehmen realistische und vielfach immer noch unterschätzte Gefahren. Zu diesem Schluss kommt die am Mittwoch, 17. März 2010, in Stuttgart von Innenminister Heribert Rech und Wirtschaftsminister Ernst Pfister vorgestellte Studie des Sicherheitsforums Baden-Württemberg zum Thema "Know-how-Schutz in Baden-Württemberg". Ziel der Studie war es, Fälle von Industrie- und Wirtschaftsspionage statistisch zu ermitteln und ihre Auswirkungen auf die Unternehmen zu untersuchen. Aus den Ergebnissen hat das Sicherheitsforum praktische Handlungsempfehlungen für Unternehmen abgeleitet.
"Die Studie zeigt deutlich: Unternehmen können noch mehr tun, um sich gegen die Ausspähung ihrer Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu schützen", betonte Innenminister Heribert Rech in Stuttgart. "Das Hightech-Land Baden-Württemberg muss sich besser schützen, und dabei kann die Publikation helfen", ergänzte Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Studie und Handlungsempfehlungen seien ein wichtiger Beitrag für zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz betrieblichen Know-hows.
Die "SiFo-Studie 2009/10 - Know-how-Schutz in Baden-Württemberg" ist im Auftrag des Sicherheitsforums Baden-Württemberg vom Ferdinand-Steinbeis-Institut gemeinsam mit Experten der School of Governance, Risk & Compliance der Steinbeis-Hochschule Berlin erarbeitet worden. Mit ausgewerteten Angaben von rund 240 baden-württembergischen Unternehmen handelt es sich um eine der größten themeneinschlägigen Untersuchungen zur Wirtschafts- und Industriespionage in Unternehmen. Rech und Pfister appellierten an die baden-württembergischen Betriebe, sich die Handlungsempfehlungen der Studie zu eigen zu machen und sich bei Problemen an das Sicherheitsforum zu wenden.
Zentrale Ergebnisse der Studie:
Geistiges Eigentum wird zu wenig geschützt
Rund die Hälfte der Unternehmen, die an der Befragung teilnahmen, betreiben
Forschung und Entwicklung an einem Standort in Baden- Württemberg. Fast
jedes vierte forschungsstarke Unternehmen verfügt über gebrauchsmusterfähige,
jedes dritte sogar über patentfähige Erfindungen, ohne sie aber
entsprechend rechtlich zu schützen. Die Unternehmen scheuen vor allem
den hohen zeitlichen, finanziellen und rechtlichen Aufwand eines Patentrechtsverfahrens.
Nur 58 Prozent der forschungsintensiven Unternehmen gaben an, den besonders
wichtigen Bereich Forschung und Entwicklung gegen Industrie- und Wirtschaftsspionage
intensiv zu schützen. Sieben Prozent bezeichneten ihre Schutzvorkehrungen
selbst als schwach.
Unternehmen erleiden Schäden
Etwa 38 Prozent der Unternehmen wurden in den letzten vier Jahren in ihren
Urheberrechten verletzt (Verstöße gegen Patentrechte, Gebrauchsmuster,
Markenrechte oder Geschmacksmuster). Die Schäden wurden auf 10.000 Euro
bis über zwei Millionen Euro je Vorfall beziffert. Der durchschnittliche
Verlust betrug rund 365.000 Euro. Etwa jedes sechste Unternehmen und mehr
als jedes vierte forschungsintensive Unternehmen war von mindestens einem
Fall des Verrats oder der Ausspähung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen
betroffen. Die wirtschaftlichen Schäden wurden von den Unternehmen im
Durchschnitt mit rund 170.000 Euro angegeben. Forschungsintensive Unternehmen
wurden mit durchschnittlich rund 260.000 Euro stärker geschädigt.
Bei jedem fünften Unternehmen lagen die Schäden deutlich über
einer halben Million Euro.
Täter sind unternehmensnah
Über 70 Prozent der Wirtschaftsstraftäter kamen aus den Reihen der
geschädigten Unternehmen. In fast jedem fünften Fall waren Topmanager
beteiligt, in nahezu jedem dritten Fall ein Mitarbeiter aus dem mittleren
Management. Im Durchschnitt gehörten sie dem Unternehmen seit zehn Jahren
an, waren etwa 40 Jahre alt und überdurchschnittlich gebildet. Externe
Tätern hatten eine durchschnittlich sechsjährige Geschäftsverbindung
zum geschädigten Unternehmen. Ausländische Nachrichtendienste spielen
in der Studie, die überwiegend kleine und mittlere Unternehmen erfasst,
mit sechs Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Bei forschungsintensiven
Großunternehmen kann dieses Risiko größer sein. Außerdem
dürfte die Arbeit von Nachrichtendiensten wegen ihrer hohen Professionalität
schwerer zu entdecken sein. Trotz dieser Ergebnisse schätzen die befragten
Unternehmen das Risiko, durch technische Angriffe auf ihre Informationstechnik
und sonstige Geräte ausgespäht zu werden, höher ein als eine
Schädigung durch eigene Mitarbeiter oder externe Personen. Mehr als die
Hälfte der Unternehmen hält es sogar für unwahrscheinlich,
dass eigene Mitarbeiter involviert sein können. Die Studie belegt, dass
dies eine Fehleinschätzung ist.
Unternehmen können ihre Schutzmaßnahmen verbessern
Obgleich die Mehrzahl der Unternehmen das Risiko, in den nächsten Jahren
durch Produkt- und Markenpiraterie und durch Industrie- und Wirtschaftsspionage
geschädigt zu werden, hoch einschätzt, planen die wenigsten Unternehmen
einen Ausbau ihrer Sicherheitsstandards. Dabei sind die bisherigen Maßnahmen
zum Schutz der Gebäude- und IT-Sicherheit oft lückenhaft. Nur etwas
mehr als die Hälfte der forschungsintensiven Unternehmen verschlüsseln
beispielsweise ihre Daten, ihre Datennetze und ihren E-Mail-Verkehr. Unterschätzt
werden vor allem die Risiken, die von Unternehmensangehörigen und Geschäftspartnern
ausgehen. So sind Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter, die Einrichtung
eines Hinweisgebersystems, Risikoanalysen von Geschäftspartnern und Risiko-
und Schwachstellenanalysen im eigenen Unternehmen noch zu wenig verbreitet.
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Das Sicherheitsforum Baden-Württemberg hat auf der Grundlage der Erkenntnisse der "SiFo-Studie 2009/10" auch "Handlungsempfehlungen für Unternehmen" entwickelt. Das sind beispielhafte Leitideen für das strategische und operative Sicherheitsmanagement und für eine Nachhaltigkeitsprüfung. Mit Hinweisen auf Beratungsangebote von Behörden und Verbänden geben die Handlungsempfehlungen zudem Anregung und Hilfestellung, Netzwerke zum Schutz vor ungewolltem Know-how-Abfluss zu knüpfen oder zu erweitern.
Die "SiFo-Studie 2009/10 -Know-how-Schutz in Baden-Württemberg" und die "Handlungsempfehlungen für Unternehmen" können hier heruntergeladen werden. Die Druckfassung kann auch telefonisch bei der Pressestelle des Innenministeriums (Telefonnummer: 0711 / 231-3030), der Homepage des Wirtschaftministeriums (www.wm.baden-wuerttemberg.de) oder bei der Steinbeis-Edition www.steinbeis-edition.de bestellt werden.
| SiFo-Studie 2009/10 | Know-how-Schutz in Baden-Württemberg | |
| SiFo-Studie 2009/10 | Handlungsempfehlungen für Unternehmen |